wie Betroffene ihre Erfahrungen beschreiben:

  • Manuela K. (47, Lehrerin)

"Ich habe das Unterrichten wirklich geliebt. Jahrelang war die Arbeit mit den Kindern für mich das ein und alles. Ich war eine von den Lehrerinnen, die sich auch für die Nachmittagswahlfächer und Arbeitsgruppen sehr engagiert haben. Der Direktor hat mich geschätzt als Kollegin, die so gut wie nie krank war. Oft bin ich auch eingesprungen, was für mich ohne eigene Familie leichter war als für andere. Als der Direktor dann selbst aufgrund einer längeren Operation in den Krankenstand musste, habe ich als seine Vertretung viele zusätzliche Aufgaben übernommen. Oft bin ich schon zwischen 4-5 Uhr aufgestanden, um all die Vorbereitungen zu erledigen.

 

Im Nachhinein habe ich mich damals mit all der organisatorischen Verantwortung überfordert gefühlt, aber das hätte ich damals nie zugegeben. Daneben durfte ja auch der Unterricht nicht leiden.

 

Dass etwas nicht stimmte, habe ich zum ersten Mal bemerkt, als ich auch am Wochenende nicht mehr richtig schlafen konnte, ständig gereizt war und die Kopfschmerzen chronisch geworden sind. Ich habe das auf eine Hormonumstellung zurückgeführt- bis ich eines Tages in der Klasse saß und nicht mehr wusste, was ich in der letzten halben Stunde erzählt hatte. Die folgenden Panikattacken haben das Unterrichten unmöglich gemacht.

 

Mir ging es zwar nach einer langen Auszeit und intensiven Behandlung besser, doch ich hatte jedoch den Bogen so überspannt, dass ich mir kein Zurück mehr vorstellen konnte."

 

  • Bernd M. (33, Altenpfleger)

"Es war für mich immer eine Selbstverständlichkeit, alles zum Wohle der Patienten zu tun und mich in meinem Beruf stets tausendprozentig einzusetzen. Sicher, die Bezahlung könnte besser sein und Anerkennung durch die Heimleitung für die aufopfernde Arbeit habe ich mir oftmals gewünscht. Doch ich dachte mir oft: Sind dankbare Gesichter oder ein freundlicher Händedruck der alten Leute nicht viel mehr wert als Geld und Lob?

 

Ich war schon immer ein Typ, der sich für andere einsetzte. Auch wenn es manchmal sehr anstrengend war- ich tat alles, um zu helfen. Und trotzdem- irgendwie schien alles nicht gut genug zu sein, immer noch mehr schien gefordert zu werden. Als dann noch aus Rationalisierungsgründen die Zeit zur Versorgung und Pflege der Bewohner immer knapper wurde, versuchte ich trotzdem den Erwartungen gerecht zu werden. Bis ich dann merkte, dass ich innerlich einen immer stärkeren Widerwillen entwickelte und mich immer mehr überwinden musste.

 

Bis ich selbst erschrak, wie ich den alten Menschen erst mit immer stärkerer Gleichgültigkeit und schließlich mit Verachtung entgegentrat. Die Bewohner nur noch mit Zimmer titulierte. Bis ich das Gefühl hatte: Es geht nicht mehr.."

 

  • Dr. Ludwig S. (41, Chirurg)

"Natürlich hatte ich als Chirurg in einem Krankenhaus ein anspruchsvolles Programm abzuleisten. Mehrere schwierige Operationen hintereinander sind dabei keine Seltenheit. Die Verantwortung, die ich dabei zu tragen habe, wiegt schwer, da jeder Fehler schlimme Folgen haben kann. Höchste Konzentration ist für mich deswegen eine absolute Selbstverständlichkeit. Wenn nur die Schichtplangestaltung des Krankenhauses mich nicht noch zusätzlich belastet hätte!

 

Häufig schleppte ich mich nach der Arbeit völlig erschöpft nach Hause. Oft hatte ich das Gefühl, dass die Freizeitintervalle viel zu kurz sind, um sich vollständig erholen zu können. Und die Pausen während der Arbeitszeit?- Da kann man teilweise froh sein, wenn die Zeit ausreicht, genügend Kaffee trinken zu können, um das starke Müdigkeitsempfinden zu bezwingen, um noch diese Operation durchzustehen und dann noch die nächste und dann...

 

Bis mein Rücken dann komplett dicht machte und ich gezwungen war, selbst zum Arzt zu gehen. Burnout als Diagnose- dann war erstmal Schluss!"

 

  • Susann H. (36, Referentin)

"Wenn ich morgens meine Tochter Jennifer zur Kita gebracht hatte, hastete ich meistens durch den Berufsverkehr zur Arbeit. Ein Blick auf die Uhr und ich bekam Herzrasen. Immer hatte ich den vorwurfsvollen Blick meines Chefs vor Augen und sofort ein schlechtes Gewissen. Schließlich kann man von einer Referentin für Personalentwicklung doch erwarten, dass sie pünktlich und gut vorbereitet ist, mit gutem Beispiel vorangeht eben. Aber die vielen unbearbeiteten Akten auf meinem Schreibtisch..die viele Post...dauernd neue E-Mails...wichtige Besprechungen... und jetzt auch noch die zusätzliche Verantwortung für die Personalauswahl!

 

"Da können Sie ihre Fähigkeiten mal richtig unter Beweis stellen und sich ihre ersten Sporen verdienen", hatte mir mein Chef gesagt. Die Erwartungen sind eben hoch an eine neue, junge und gut ausgebildete Mitarbeiterin. Das schaffe ich schon, hatte ich mir immer wieder gesagt. Aber neulich bat ich dann doch einen meiner Kollegen um Unterstützung; der winkte grinsend ab: "Hier muss schon jeder selber seinen Mann stehen."

 

Manchmal glaube ich, dem Druck nicht mehr Stand halten zu können. Dabei war ich doch fest davon überzeugt, dass gerade ich es schaffen würde, Familie, Haushalt und Beruf unter einen Hut zu bringen, als alleinerziehende Mutter trotzdem erfolgreich in meinem Job zu sein.

 

Als ich vor ein paar Tagen nach einem langen und anstregenden Tag endlich zu Hause war, brachte ich meine Tochter nur noch ins Bett- Zeit für Familie bleibt nicht mehr viel. Merkte, ich selbst bin am Ende, völlig erschöpft. Aber einschlafen konnte ich auch wieder nicht. Ich hatte Herzrasen und diesen furchtbaren Pfeifton im linken Ohr, der mich ganz verrückt machte. Mein Arzt hatte mir ja schon vor einigen Monaten geraten, kürzer zu treten. Jetzt musste ich es wohl."


sehenswerte Publikationen

Video Welt der Wunder- Thema Burnout

Sie fühlen sich ausgepowert, sind ständig müde, nichts geht mehr: Rund 18% der Berufstätigen in Deutschland leiden am Burnout-Syndrom. Welt der Wunder zeigt, wie es dazu kommt, dass jemand "ausbrennt" und wie Betroffenen geholfen werden kann. 


SPIEGEL-TV Dokumentation

Obwohl die Krankheit mit ihren unterschiedlichen Erscheinungsformen zur Volkskrankheit Nummer eins avanciert, wird sie oft verschwiegen und verheimlicht. Dabei sind allein in Deutschland rund vier Millionen betroffen- auch viele, die im Rampenlicht stehen.

 


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